Ausserordentliche Lehrabschlüsse

Lorena Richle und Julia Bürgi haben mit ihren Lehraschlussprüfungen ausserordentlich gute Resultate erzielt: Beide sind oder gehören zu den Besten im Kanton St. Gallen. Dabei kommen beide aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Lorena ist Köchin und bezeichnet das als ihren Traumberuf. Julia hat die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit gemacht und das ist für sie eine optimale Vorbereitung auf dem Weg zu ihrem Berufsziel als Hebamme.

Thurvita.today traf die beiden erfolgreichen Frauen zum Interview.

Lorena, stellt Du Dich bitte zuerst vor.
Lorena: Ich bin 19 Jahre alt, wohne in Bütschwil. Die Lehrabschlussprüfung habe ich mit einer 5,3 abgeschlossen, dabei erreichte ich im Praxisteil eine 5,5 und jetzt bin ich „Koch EFZ“.

 

EFZ ist klar: „Eidgenössischer Fähigkeitsausweis“. Wie ist das mit dem Koch? Bist Du nun Koch oder Köchin?
Lorena: Da gehen die Meinungen auseinander. Ich sage Koch.

Bitte stell Du Dich auch vor Julia
Julia: Ich bin 18 Jahre alt, wohne in Wil. Die Lehrabschlussprüfung habe ich mit einer 5,5 abgeschlossen und jetzt bin ich „Fachfrau Gesundheit EFZ“

Hat man dem früher nicht „Krankenschwester“ gesagt?
Julia: Jein. Die Ausbildung als Krankenschwester gibt es in der heutigen Zeit nicht mehr. Als Fachfrau Gesundheit habe ich teilweise Kompetenzen einer ehemaligen Krankenschwester, jedoch nicht so viele Kompetenzen wie eine Diplomierte Pflegefachfrau, welche ein Fachhochschulabschluss hat.

Wie gut sind Eure Noten im Vergleich zu anderen?
Lorena: Ich war die Beste im Kanton.
Julia: Kantonal erhielt ich die besten Noten mit einer 5,7 im Fach Allgemeinbildung und einer 5,5 in Berufskunde. Diese beiden hohen Noten haben mich selber erstaunt.

Ich bin beeindruckt. Zwei Kantonsmeisterinnen an einem Tisch. Habt ihr schwer gebüffelt?
Julia: Ich habe immer vorzu gelernt. Je nach Fach fiel es mir einfacher. In den meisten Fällen ging es ja um den gesunden Menschenverstand, zum Beispiel beim Fach „Lebensumfeld“. Da musste man weniger lernen. Hingegen im Fach „Naturwissenschaft“ war das Lernen vielseitiger und dadurch anspruchsvoller. Alles in allem habe ich meines Erachtens nicht „übertrieben“ gelernt.

Und kurz vor der Prüfung noch ein Endspurt?
Julia: Nein. Meinem Empfinden nach tat ich dann eher zu wenig. Was im Nachhinein nicht danach aussieht. Aber das Dranbleiben während der ganzen dreijährigen Lehre hat sich ausgezahlt. Einige Noten hat man ja vor der Prüfung erarbeitet und das gab eine gute Erfahrungsnote.

Heisst das, die „fleissige Julia“ ist am Samstag nicht in den Ausgang?
Julia: Die Freizeit, den Ausgang am Wochenende, habe ich mir nicht nehmen lassen. Unter der Woche habe ich vermutlich zwei bis vier Stunden insgesamt gelernt, je nach anstehenden Prüfungen und deren Umfang. Was ich stark gemerkt habe: Wenn man in der Schule gut aufgepasst hat, dann musste man zuhause nicht viel lernen.
Lorena: Im Hinblick auf Prüfungen habe ich täglich gelernt. Nie zuviel aufs Mal, aber regelmässig. Bei Themen, die aus der Praxis kamen, wie zum Beispiel Gemüse oder Fleisch musste ich mich kaum anstrengen. Anders war das bei eher theoretischen Themen wie zum Beispiel „Ernährungs-Physiologie“ oder „Kalkulationen“. Das waren nicht meine Lieblingsbereiche.

Wie haben Eure Gspänli auf die tollen Noten reagiert?
Lorena: Ich war selber überrascht von den Noten. Selber ging ich von einer knappen Fünf aus, denn während der Prüfung habe ich extrem viele Fehler gemacht. Das war zumindest mein Eindruck. Weil ich so skeptisch war, staunten dann die Kollegen in der Küche nicht schlecht.
Julia: Auch ich war überrascht. Ich freute mich mit denjenigen, welche sich mit mir gefreut haben.

Gab es Geschenke für diese Leistung?
Lorena: Es gab von Thurvita eine Rose und ein Badetüchli. Von Top CC bekam ich Gutscheine, Champagner und Gläser.

 

Julia: In der Schule schenkten sie uns ein Verbands-Set, einen Blumenstrauss, einen Riesensack Kägifret und schöne Fotos von unserem Arbeitsalltag. Bei Thurvita fand ich speziell, dass sogar der Namen im Badetüechli eingestickt ist.

Wolltet Ihr schon als kleine Mädchen diesen Beruf erlernen?
Julia: Jein. Meine Grossmutter war Krankenschwester und so brachte sie mir der Gesundheitsbereich näher. Sie erzählte oft spannende Geschichten von komplexen Situationen wie Verbandwechsel, Krankheitsbilder und Behandlungen. Mein Traumberuf ist jedoch Hebamme, auch in diesem Arbeitsfeld geht es um die Gesundheit und den Menschen. Dadurch dass ich FaGe lernte, habe ich meines Erachtens eine gute Grundbildung, konnte Erfahrungen sammeln und die Perspektiven sind mir offen.
Lorena: Für mich ist Koch der Traumberuf. Schon als kleines Kind habe ich immer gerne gekocht, meiner Mutter über die Schulter geschaut und geholfen. Auf jeden Fall wusste ich, dass ich nie „im Büro“ sein wollte, denn ich bin eher handwerklich begabt. Bevor ich mit der Lehre gestartet bin, habe ich auch an anderen Orten geschnuppert, um sicher zu sein, dass ich mich richtig entscheide.

Wie sieht die Zukunft aus?
Lorena: Zuerst gehe ich zwei Monate zu einem Sprachaufenthalt nach England, nach Bornemouth an die Südküste. Dieser Abstand tut gut und Englisch kann man das Leben lang brauchen.

Muss man als Koch nicht nach Frankreich?
Lorena: Nicht unbedingt. Früher musste man Französisch können, aber heute gehört das in der Schule nicht mehr dazu. Es gibt nur noch einzelne Koch-Fachbegriffe auf Französisch. Die meisten Begriffe lernen wir heute auf Englisch, weil doch viele in die weite Welt gehen, während ihres Berufslebens.

Was machst Du nach dem Englandaufenthalt?
Lorena: Ich werde mir eine neue Stelle suchen. Hier höre ich auf. Sie haben mir das auch empfohlen, denn es ist nicht so gut, wenn man nach der Lehre einfach am gleichen Ort bleibt. Vermutlich mache ich Saisonstellen in der Schweiz. Da ist sicher immer etwas los und wenn ich merke, dass ich lieber wieder bei der Familie und den Freunden bin, dann bin ich nicht weit weg.

Was machst Du?
Julia: Ich mache jetzt die Berufsmaturität: Ein Jahr voll Schule. Dann werde ich etwas Geld verdienen müssen, bevor ich mit dem Hebamme-Studium beginne.

 

Jetzt geht ihr beide weg von Thurvita und sagt: Yeah, super?
Beide – fast gleichzeitig: Nein, Nein, mit einem weinenden und einem lachenden Auge.
Julia: Einerseits ist der Abschied schwierig. Im Team fühlte ich mich sehr wohl. Man hat doch knapp ein Jahr miteinander gearbeitet und gelacht. Und gewisse Bewohner sind einem auch ans Herz gewachsen.  Anderseits freue ich mich auf etwas Neues, eine neue Herausforderung. Hinzu kommt, dass ich teilweise unregelmässige Arbeitszeiten hatte und am Wochenende arbeiten musste. Das werde ich nicht vermissen und freue mich umso mehr auf die freien Wochenenden.
Lorena: Ich war die ganzen drei Jahre mit denselben Leuten. Die werde ich vermissen. Sicher komme ich wieder mal zu Besuch. Aber auf die andere Seite ist es gut, dass ich wegkomme und mal etwas anderes sehe. Hier kenne ich nun alles und es ist Zeit etwas anderes zu machen.

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1 Kommentar

  1. Kapusta Heinz

    Nochmal ganz herzliche Gratulation den beiden jungen Damen für diese Topleistung.

    Natürlich auch eine herzliche Gratulation an alle anderen unsere “Lernenden” für die gut bestanden Abschlussprügungen.

    Ich wünsche euch weiterhin viel Freude in eurem Beruf und alles Gute.

    Heinz Kapusta, Personalleiter

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