Zwei Männer bei der Spitex

Marcel Bindschedler (links) und Alex Maksimovic

Wer bei der Spitex vorbeigeht und mit den beiden neuen Leitern von Team A und B reden will, muss nicht lange suchen, um Marcel Bindschedler und Aleksandar Maksimovic zu finden: Sie sind die einzigen Männer bei der Spitex und schon deshalb nicht zu übersehen. Marcel und Aleksandar traten die Nachfolge von Angela Wachsmann und Cornelia Stucki an. Jeder leitet ein Team von 35 Mitarbeiterinnen.

Marcel ist 55 Jahre alt, begann als Teamleiter am 1. Mai. Er hat ursprünglich eine KV Lehre gemacht und sich Ende der 90-er Jahre zum psychiatrischen Krankenpfleger ausbilden lassen. Dem Bereich Psychiatrie, Psychotherapie, Beratung blieb er lange treu. In den letzten zwei Jahren arbeitete er in einem Wohn- und Pflegezentrum in Schwerzenbach und leitete dort unter anderem die Demenzabteilung.

Aleksandar – auch Alex genannt – ist 41 Jahre alt, begann am 1. Juni. In den neunziger Jahren machte er in Serbien zuerst eine Ausbildung in „Allgemeiner medizinischer Krankenpflege“ und danach ein Medizinstudium, dass er nach drei Jahren abbrach. Seit 2000 lebt er in der Schweiz. Die letzten 18 Jahre arbeitete Alex in Bernhardszell, St. Gallen und in Herisau in Pflegeheimen. Im Bereich Weiterbildung hat er sich auf Palliativ Care spezialisiert und ein Nachdiplomstudium in Gerontologie gemacht.

Thurvita.Today traf die Beiden. Zuerst einmal fällt der Interviewer (Mario Aldrovandi) auf die Nase. Seine erste Frage stösst komplett ins Leere.

 

Mir gegenüber sitzen ein Schweizer und ein Serbe. Wisst ihr schon, was ihr am Freitag in einer Woche macht?
(Zuerst Schweigen). Marcel:  Nein, ich habe keine Pläne. Alex: Ich besuche meine Schwester in Genf oder meine Tante in Stuttgart.

Come on! An dem Abend ist doch das WM Spiel Serbien – Schweiz!
(Beide – gleichzeitig) Nein! Gar nicht! Marcel: Fussball ist nicht mein Ding. Alex: Nein, mit Fussball kann ich nichts anfangen.

Marcel, Du bist aber doch eine Sportskanone?
Ich fahre seit ein paar Jahren Rennvelo, sehr leidenschaftlich. Fast jeden Tag, wenn es geht.

Das heisst, Du bist eher ein Einzelsportler?
Richtig.

Und Du Alex, Sport?
Sehr wenig, nur wenn ich muss.

Sportlich habt ihr wenig gemeinsam. Gemein ist aber, dass ihr Beide  bisher keine Spitex Erfahrung habt
Beide: Ja, das ist so.

Was ist Euch in der ersten Zeit bei der Spitex aufgefallen?
Marcel: Das es zeitweise sehr hektisch ist. Am Morgen früh ist es wie in einem Bienenhaus. Alle wissen, was sie zu tun haben, wie sie sich auf die Einsätze vorbereiten müssen. Da ist eine hohe Selbständigkeit gefragt, Bedingung ist, dass alles gut vorgeplant ist.  Und dann ist plötzlich Ruhe, weil alle weg sind.
Alex:  Die Strukturen sind anders. Und die Mitarbeiterinnen auf Tour sind auf sich selbst angewiesen. Auch der Umgang mit den Klienten ist komplett anders, als ich es von der Langzeitpflege her kenne.

Inwiefern?
Alex: Wir sind Gast bei Ihnen zuhause. In einem Heim sind Bewohner und Pflegende beide daheim. Dieser Unterschied ist mir letzte Woche aufgefallen, als ich mit auf Tour war und etwa zehn Klienten kennenlernte.

Warst Du einfach Zuschauer auf der Tour oder konntest Du was tun?
Alex: Bei meinem Besuchen traf ich eher anspruchsvolle Fälle, zum Beispiel kompliziertere Wunden. Mitmachen konnte ich bei den Abklärungen, bei der Pflege und in einem Fall habe ich einen Kunden geduscht.

Wie war Deine Erfahrung Marcel?
Ich war ebenfalls auf Tour, habe so erfahren, wie es in der Praxis läuft und hatte dabei sogleich auch die Möglichkeit einzelne Mitarbeiterinnen kennenzulernen. Es ist tatsächlich anders, wenn man plötzlich in einer Wohnung steht, mitten in der Privatsphäre. Die Wohnungen sagen sehr viel aus über die Person, auch wie man empfangen wird. Das gibt sehr viele Eindrücke aufs Mal. Diese Unterschiede sind teilweise recht frappant.

Alex, Du kommst aus der Langzeitpflege. Wie viel Deines Wissens kannst Du brauchen?
Vom pflegerischen Aspekt gibt es kaum Unterschiede. Die Grundpflege ist dieselbe, egal ob in einer Privatwohnung oder im Heim. Aber der Auftritt ist ein anderer. Im Heim sagt man: «Wie geht es Ihnen bei uns?».Im Heim ist das normal. Das geht natürlich in einer Privatwohnung nicht, da ist man nicht «bei Üs».

Wie kannst Du Dein Vorwissen einsetzen, Marcel?
Ich führe zwei Teams mit jeweils Schwerpunkt Somatik und Psychiatrie. Es ist mir ein grosses Anliegen, meine bisherigen beruflichen Kompetenzen in beiden Bereichen aktiv einzubringen.

Was bringt ihr der Spitex mit von Eurer bisherigen Arbeit?
Alex: Sicher einen neuen Blickwinkel und wir haben auch Erfahrungen im strukturellen und organisatorischen Bereich. Wir bringen sicher medizinisches Fachwissen mit.
Marcel: Wir haben beide auch Führungserfahrung. Hier ist sicher «Teambildung» ein Thema.  Die Mitarbeitenden sind kompetent, haben viel Berufserfahrung und dementsprechend auch hohe Erwartungen an die Leitung. Wir dürfen und müssen auch zeigen, was wir können. Die Akzeptanz müssen wir uns erarbeiten.

Das Spitex-Team umfasst 70 Mitarbeiterinnen von der Haushaltshilfe bis zu HF-Fachfrau. Was bedeutet das im täglichen Umgang?
Alex: Ich kenne alle Berufsgruppen aus der Langzeitpflege. Aber was neu ist: Die Frauen sind viel selbständiger. Sie wissen selber was sie brauchen, wo sie hin müssen. Das ist in der Langzeitpflege anders. Dort diskutiert man eher im Team und sucht gemeinsam nach einer Lösung.
Marcel:  Natürlich reden wir im Team und besprechen die Fälle gemeinsam. Vor Ort aber bei den Klienten ist die Spitex-Mitarbeitende auf sich gestellt und trifft z.T. sehr komplexe Situationen an. Dabei kann sie nicht rasch eine Glocke drücken und sich mit einem Kollegen beraten.

Was ist anders, als ihr es gewohnt seid?
Marcel: Bisher hat mich nichts komplett überrascht. Aber die Einsatzplanung ist schon eine Knacknuss. Bis jetzt machte ich ‚nur‘ Dienstpläne, aber bei der Spitex braucht es zusätzlich einen Einsatzplan und zwischen den beiden gibt es viele Abhängigkeiten.

Der pflegerische Bereich ist per se Frauenlastig. Hier gilt das absolut. Es gibt nur zwei Männer. Euch. Wie ist das?
Marcel: Ich kenne es von früher und das ist nichts Besonderes. Ich arbeite gerne mit Frauen.
Alex: Auch in meinen Teams gab es nie viele Männer. Das ist ok.

Wenn ich Euch in einem halben Jahr frage: Was hat sich geändert; dann antwortet ihr wie?
Alex: Das sage ich Dir in einem halben Jahr. Sicher bin ich dann ein halbes Jahr älter.
Marcel: Heute haben verschiedene Personen übergangsmässig Zusatzfunktionieren übernommen, die eigentlich nicht zu ihrem Bereich gehören. Das heisst: In einem halben Jahr haben wir zwei einen klar definierten Bereich.

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