Wissenschaftliche Studie über Thurvita mit tollen Ergebnissen

Diese Medienmitteilung wurde heute an Zeitungen, Radios und Fachmedien versendet:

ZHAW-Studie zu Thurvita: Neues Versorgungsmodell vermeidet langfristige Eintritte ins Alters-und Pflegeheim ohne die Kosten zu erhöhen

 «Älter werden im Quartier» und «Thurvita Care» heissen zwei von Thurvita entwickelte Modelle für die Betreuung von betagten Menschen. Die in Wil/SG tätige Thurvita AG möchte damit den Wunsch für ein würdevolles Leben in den eigenen vier Wänden – unabhängig vom Pflegbedarf – erfüllen. Eine Studie der ZHAW – Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften – zeigt auf, dass die Modelle funktionieren: Die gewünschten Wohnformen werden gefördert und der Bedarf an Alters- und Pflegeheimplätzen wird tendenziell gesenkt. In Wil konnte ein Drittel der Betagten nach einem Spitalaufenthalt wieder nach Hause zurückkehren. Dies ist doppelt so viel wie bei der herkömmlichen Versorgung. Es konnten damit 13,8% langfristige Eintritte ins Alters- und Pflegeheim vermieden werden  All dies war möglich bei gleichbleibenden Kosten für alle drei Kostenträger: die pflegebedürftigen Personen, die Krankenversicherer und die öffentliche Hand – auch bei Berücksichtigung der Ergänzungsleistungen und der Hilflosenentschädigung.

Im sanktgallischen Wil betreibt die Thurvita AG sechs Altersheime mit 250 Bewohnenden und eine Spitex mit 630 Klienten. Die gemeinnützige Aktiengesellschaft mit 370 Mitarbeitenden operiert unter dem Label «Lebenswert – ein Leben lang». Sie gehört der Stadt Wil und den umliegenden Gemeinden.

Thurvita setzt sich zum Ziel, dass betagte Menschen bis an ihr Lebensende an dem Ort leben, den sie als ihr Zuhause empfinden und wo sie möglichst lange am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Um dies zu ermöglichen, bietet Thurvita eine breite Palette von stationären und ambulanten Dienstleistungen, die sich an den Wünschen und Möglichkeiten der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen orientieren.

Im Rahmen dieser Strategie wurde in den letzten vier Jahren das Angebot «Thurvita Care» entwickelt. In einer spezialisierten Medizin-Reha-Abteilung werden Patienten nach einem Spitalaufenthalt aufgenommen und wenn möglich auf eine Rückkehr in die eigenen vier Wände vorbereitet. Gemäss der Studie der ZHAW gelingt dies bei einem Drittel aller Klienten mit nachhaltigem Erfolg. Im Vergleich zu der Zeit bevor es dieses Angebot gab, konnten doppelt so viele Personen wieder nach Hause zurückkehren.

Bei «Älter werden im Quartier» bietet Thurvita verschiedene Dienstleistungen an, die es den Quartierbewohnern erlauben, möglichst lange Zuhause zu leben. Mit dem Thurvita-Modell müssen Betagte auch bei einem hohen Pflege- und Betreuungsbedarf nicht in ein Heim umziehen, sondern werden in den eigenen vier Wänden umsorgt. Dank einer Vereinbarung mit dem Kanton St. Gallen werden Alterswohnungen zu «virtuellen Altersheimen», in denen es dieselben Leistungen gibt, wie in einer stationären Einrichtung und das zu für die Klienten günstigen Tarifen.

Die Untersuchungsergebnisse des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie der ZHAW sind wegweisend für die Alterspolitik in der Schweiz.

Mit «Thurvita Care» konnten in der Praxis 14% der langfristigen Eintritte ins Alters- und Pflegeheim nach einem Spitalaufenthalt vermieden werden.

Gut 80% aller Eintritte in ein Heim der Thurvita erfolgen über ein Akutspital. Bedingt durch die neue Spitalfinanzierung SwissDRG bleibt den betagten Menschen heute wenig Zeit für die Rekonvaleszenz und Rehabilitation.

«Thurvita Care» richtet sich an Patienten, die nach einem Spitalaufenthalt Zeit für eine Wiederherstellung ihrer Kräfte und eine geordnete Zukunftsplanung benötigen, bevor sie wieder nach Hause zurückkehren.  Dies spezielle Abteilung im Pflegezentrum Fürstenau bietet eine intensive therapeutische Versorgung für eine maximale Dauer von 12 Wochen. Unmittelbar nach Eintritt erfolgt eine Standortbestimmung. Falls ein Rehabilitationspotential besteht, werden in einem interdisziplinären Setting diese Möglichkeiten ausgeschöpft. Dabei arbeiten Casemanager, Geriatrieärztin, Ergotherapie, Logopädie und aktivierende Pflege Hand in Hand.

«Thurvita Care» startete 2015 mit vier Betten und wurde bis 2018 schrittweise auf 20 Betten ausgebaut. In den zwei Jahren vorher gab es keine spezifischen Angebote, was die ZHAW als herkömmliche Versorgung oder «Usual Care» bezeichnete und ebenfalls untersuchte. Der wissenschaftliche Vorher-Nachher-Vergleich der beiden je zweijährigen Perioden ergab frappierende Erkenntnisse:

  • Mit «Thurvita Care» konnten ein Drittel aller Personen nach einem Spitalaufenthalt wieder nach Haus zurückkehren. Das sind doppelt so viele als mit «Usual Care».
  • Über 90 Prozent der Thurvita Care Patienten, die nach Hause konnten, blieben auch langfristig dort, was ein Beleg für eine nachhaltige Lösung ist.
  • Mit «Thurvita Care» gab es insgesamt 13,8% weniger Überweisungen in einen langfristigen Alters- oder Pflegeheim-Aufenthalt.

Das Fazit der Studie: «Generell hilft Thurvita Care, den erwarteten langfristigen Anstieg in der Nachfrage nach klassischen Pflegeheimplätzen zu dämpfen». Dies geschieht bei gleichbleibenden Kosten für alle drei Kostenträger: die pflegebedürftigen Personen, die Krankenversicherer und die öffentliche Hand. Denn, wie die Studie belegt, unterscheiden sich die Gesamtkosten für «Thurvita Care» und «Usual Care» nicht. Dies trifft zu, obschon die Patienten bei «Thurvita Care» stärker pflegebedürftig waren als diejenigen im  «Usual Care». Die kürzere Aufenthaltszeit im Alters- und Pflegeheim der «Thurvita Care» Patienten kompensiert die höheren Kosten pro Tag in «Thurvita Care». Diese Aussage zu den Kosten ändert sich auch nicht, wenn man Umverteilungsmechanismen – Ergänzungsleistungen und Hilflosenentschädigung – berücksichtigt.

In der Berechnung der Gesamtkosten waren die Pflegekosten, die Betreuungskosten und die Lebenshaltungskosten enthalten. Nicht berücksichtigt wurden die indirekten Kosten (z.B. Pflege/Betreuung durch Angehörige, Arbeitsausfälle bei Angehörigen) und intangible Kosten (z.B. Verschlechterung der Lebensqualität bei Angehörigen).

Betriebswirtschaftlich ist «Thurvita Care» eine Herausforderung. Die überdurchschnittlich hohen Pflegestufen und die komplexen Pflegesituationen verlangen nach spezialisierten Fachkräften. Gleichzeitig schwankt die Nachfrage stark, was einen kostendeckenden Betrieb anspruchsvoll macht.

«Älter werden im Quartier»: Das virtuelle Altersheim in den eigenen vier Wänden
Das Projekt startete an zwei Standorten in Wil. Das Setting «Flurhof» befand sich in einem ruhigen Aussenquartier von Wil. Dort leben 70 Personen in Alterswohnungen, 15 von ihnen in für Pflegefälle reservierten Wohnungen. Für die Versorgung sollten zwei bestehende Teams von Spitex-Mitarbeitenden und stationären Pflegenden fusioniert werden. Nach zwei Jahren wurde das Projekt beendet. Die isolierte Lage am Stadtrand bot zu wenige Entfaltungsmöglichkeiten. Zudem waren die Kulturen der beiden Fachkraftgruppen zu unterschiedlich und liessen sich nicht vereinen.

Das zweite Projekt mit Alterswohnungen «Sonnenhof» entwickelt sich positiv. Dort betreuen Fachkräfte der stationären Dienste des benachbarten Alterszentrums die Bewohnerinnen und Bewohner. Dank einer Vereinbarung mit dem Kanton St. Gallen besteht die Möglichkeit, die erbrachten Pflege- und Betreuungsleistungen in den Alterswohnungen zu stationären Tarifen abzurechnen. Der Kanton bewilligte dieses für die Schweiz einmalige Finanzierungsmodell, indem es die Alterswohnungen wegen der Betreuungsintensität als «virtuelle Altersheime» einstuft.

Die ZHAW stellt fest, dass die Angebote von Thurvita bei «Älter werden im Quartier» den Bedürfnissen der Betagten nach einem eigenständigen Leben grundsätzlich unterstützen. Allerdings setzen sich Betagte ungerne mit ihrem Älterwerden und «Wohnen im Alter» auseinander. Sie sind mit ihrer Wohnsituation oft sehr zufrieden und schätzen diese als gut ein. Probleme werden eher von den Angehörigen vermutet. Sie setzten sich viel früher mit Wohnalternativen für ihre Eltern auseinander. Die Empfehlung der ZHAW an Thurvita war es daher, nicht nur die Betagten besser zu informieren, sondern auch die Angehörigen mehr in die Kommunikation ihrer Angebote miteinzubeziehen.

Ein erfolgreicher Verbleib zu Hause ist jedoch sehr stark von den Betreuungsleistungen der Angehörigen abhängig. Die Pflege kann meistens durch die Spitex abgedeckt werden und im Falle der Thurvita Spitex gibt es die Möglichkeit der Rund-um-die Uhr Betreuung. Allerdings nehmen viele SeniorInnen diese Leistungen, mit Blick auf die Kosten, nicht in Anspruch. Sind keine Angehörigen vorhanden, oder sind diese durch die Situation überlastet, erscheint der Eintritt ins Alters- und Pflegeheim oft als einzige Lösung. Weitere Hürden für eine gute langfristige ambulante Versorgung können fehlende Angebote in der Umgebung des Wohnortes (Einkaufsmöglichkeiten, Begegnungsorte) der Pflegebedürftigen sein.

Erkenntnisse für das Grossprojekt «Quartierzentrum mit Spitex-Stützpunkt»
Thurvita zieht aus ihren eigenen Erfahrungen und aus den Ergebnissen der ZHAW-Studie über «Älter werden im Quartier» die folgenden Erkenntnisse im Hinblick auf das für 2022 geplante «Quartierzentrum Bronschhofen mit Spitex-Stützpunkt»:

  • Vorbereitung, Leitung und Zusammensetzung der Betreuungsteams sind Schlüsselfaktoren für den Erfolg.
  • Die Pflege und Betreuung für die weitgehend autonom agierenden Bewohnerinnen wird optimalerweise von Spitex-Fachkräften erbracht.
  • Die Angebote sollen in eine lebhafte Umgebung eingebettet sein, mit Einkaufsmöglichkeiten und Begegnungsorten, was in Bronschhofen der Fall sein wird.
  • Die Bewohnenden von Alterswohnungen nehmen bedeutend weniger Leistungen in Anspruch als Gleichaltrige in einem Alters- oder Pflegeheim. Services für sie müssen darauf ausgerichtet und dennoch betriebswirtschaftlich sinnvoll sein.
  • Das Modell der «virtuellen Altersheime» soll es den Bewohnenden auch bei hohen Pflege- und Betreuungsbedarf erlauben, weiter in der geschätzten Umgebung zu leben.
  • Die Angehörigen müssen frühzeitig und permanent in Veränderungsprozess einbezogen werden. Dazu gehören Informationen über mögliche modulare Erweiterungen des Angebots in Alterswohnungen für die Betroffenen. So kann die reflexartige Heimüberweisung als Folge von Krisensituationen vermieden werden.
  • Die «Medical Safety» ist in einer Alterswohnung wichtig und eher von Angehörigen gewünscht. Es gilt geeignete Methoden zu finden, welche den Bewohnenden die Sicherheit geben, dass sie in medizinischen Notfällen nicht alleine sind. Thurvita hat hierzu ein Projekt gestartet, das die Privat- und Intimsphäre der Bewohnenden schützt und gleichzeitig die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt. Auch dieses Projekt wird von der ZHAW wissenschaftlich begleitet.

Stiftung finanzierte Studie
Der Bericht der ZHAW umfasst einen Forschungszeitraum von vier Jahren. Er dokumentiert ein Förderprojekt der Age-Stiftung (www.age-stiftung.ch) und ist integraler Teil der Förderung. Die Age- Stiftung legt ihren Fokus auf Wohnen und Älterwerden. Dafür fördert sie Wohn- und Betreuungsangebote in der deutschsprachigen Schweiz mit finanziellen Beiträgen.

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