“ThurvitaTech” Pilotprojekt: Damit bis in den Tod zuhause gelebt werden kann

Unter dem Titel «ThurvitaTech» läuft derzeit ein Pilotprojekt im Sonnenhof. Mittels Bewegungs- und Türsensoren werden Mieter der Alterswohnungen betreut. So soll der Übertritt ins Altersheim obsolet werden. Rosalba Huber, Stv. Leiterin stationäre Leistungen, erklärt, wie das funktioniert.

Wil In acht Alterswohnungen im Sonnenhof wurden im Mai Bewegungsmelder und Türsensoren installiert. Aber nicht etwa, um Einbrecher fernzuhalten. Die technologische Gerätschaft nimmt Aktivitäten und Bewegungen in der Wohnung wahr. Das Ganze ist Teil eines Pilotprojekts mit dem Namen «ThurvitaTech». Dieses wird von der Thurvita AG in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der angewandten Wissenschaften (ZHAW) und der Firma alcare AG durchgeführt. Das Ziel: auch mit hohem Pflegebedarf bis in den Tod zuhause wohnen zu können.

Notfallknopf nicht ausreichend
Der Ursprung des Projekts liegt in Überlegungen zur Pflegehandhabung im geplanten Quartierzentrum in Bronschhofen. «Derzeit werden die Kunden zuhause von der Spitex betreut, bis der Pflegebedarf zu hoch wird», erläutert Rosalba Huber, stellvertretende Leiterin stationärer Leistungen. Dann folgt der Wechsel in ein Alters- oder Pflegeheim. «In Bronschhofen soll das nicht so sein. Dort sollen die Bewohner bis in den Tod in der eigenen Wohnung bleiben können.» Um das zu bewerkstelligen, braucht es jedoch mehr als nur den Notfallknopf am Handgelenk. Dieser sei zwar wichtig, so Huber. «Aber was, wenn jemand stürzt oder Kreislaufprobleme hat und den Knopf deshalb nicht mehr drücken kann?» In einem solchen Fall würden dann die neuen technischen Mittel helfen. «Sie registrieren den Alltagsrhythmus einer Person», erklärt sie. Dadurch können Unregelmässigkeiten festgestellt und reagiert werden. «Wir können anhand der Daten zum Beispiel erkennen, ob jemand ins Bad ging, aber nicht mehr herauskam.» Tritt das ein, ruft die zuständige Pflege erst einmal bei diesem Mieter an, um nachzufragen, ob alles in Ordnung ist. «Denn sehen können wird die Mieter mit den Sensoren nicht», sagt Huber. Hier habe anfangs noch Erklärungsbedarf bestanden. «Viele der Probanden fragen uns, ob wir ihnen nun zuschauen können.» Kommt keine Antwort vom Mieter, wird sofort jemand losgeschickt. «Bis jetzt hatten wir aber noch keinen Notfall», so Huber.

Pilot noch bis Ende Jahr

Im Vorfeld des Pilotprojekts holten ZHAW und «alcare AG» die Erwartungen und Wünsche der Thurvita AG an das System ab. «Anschliessend haben sie uns 17 mögliche Anbieter präsentiert», erklärt Huber. Fünf davon kamen in die engere Auswahl. Den Zuschlag erhielt am Schluss das System «easierLife». Denn es könne individuell auf jeden Teilnehmer zugeschnitten werden und sei ausserdem mit anderen Sicherheitssystemen kompatibel. «Das ist wichtig, weil wir in der ganzen Thurvita Gruppe mehrere Alarmsysteme haben», erläutert Huber. Ausserdem sei «easierLife» noch um zusätzliche Komponenten wie Rauchmelder oder Glasbruchsensoren erweiterbar, wenn der Bedarf hierfür gegeben sei. Der Pilot im Sonnenhof läuft noch bis im Dezember. Dann werden die Ergebnisse zusammen mit ZHAW und «alcare AG» ausgewertet und das weitere Vorgehen festgelegt. Die Kosten des Pilotprojekts betragen 24’000 Franken. Wie hoch diese bei einer definitiven Installation seien, kann Huber derzeit noch nicht sagen. Im Rahmen des Testlaufes gibt es keine Kosten für die beteiligten Mieter.

Kim Berenice Geser, Wiler Nachrichten vom 25.07.2019

Fünf Fragen an Christiane Brockes, CEO der «alcare AG»

Welche Vorteile in der Pflege bietet eine sogenannte Assistenzsystem-Lösung (AAL), wie sie die Thurvita AG derzeit testet?
Die Integration von AAL-Lösungen führen zu mehr Gesundheit und Sicherheit in den eigenen vier Wänden. Die Pflege wird deutlich entlastet. Im Pilotprojekt der Thurvita wird mit Hilfe von Aktivitätssensoren ein Notfall wie beispielsweise ein Sturz rechtzeitig und automatisch erkannt. Die Pflege sieht die Notfallmeldung unmittelbar auf ihren mobilen Endgeräten.

Es gibt aber bestimmt auch Nachteile, oder?
Aufwändig sind die Vorarbeiten wie Bedarfsanalysen, Strategieentwicklung und der strukturierte Evaluationsprozess, um die richtigen beziehungsweise passenden AAL-Technologien und Dienstleistungen zu finden. Das Pflegepersonal muss geschult werden. Und eine Unterstützung der Endnutzer im Umgang mit den digitalen Gesundheitshelfern ist notwendig.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus: Macht eine AAL-Lösung die Pflege teurer oder billiger?
Mithilfe von digitalen Assistenzsystemen wird die Pflege kostengünstiger. Weniger bis keine Kontrollbesuche sind notwendig. Die Menschen können länger selbstständig leben. Aber es fallen Investitionskosten an. Und der Aufbau von Wissen rund um den Einsatz der gewählten AAL-Lösungen und die Bedienung der Technologien kosten auch etwas.

Und wer finanziert das?
Im Pilotprojekt zahlt die Thurvita. Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft die Versicherungen hier eine wichtige Rolle spielen und solche Angebote aufnehmen werden.

Sie begleiten den Pilot in der Thurvita. Hierfür befragen Sie auch regelmässig die Mieter. Wie sind die Reaktionen bisher?
Am Anfang standen Misstrauen und Skepsis im Vordergrund, aber das kennen wir. Nach und nach entwickeln die Mieter ein Vertrauen, lernen die Lösungen und Technologien kennen und fangen an, diese mit Freude und auch Spass zu nutzen.

“Pilotprojekt der Thurvita: Damit bis in den Tod zuhause gelebt werden kann” online lesen oder als PDF herunterladen.

Facebooktwitterpinterestlinkedinmail

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Zur Werkzeugleiste springen