Neuer Lebensabschnitt für Doris Wiedl

Die Bildungsverantwortliche Doris Wiedl hörte Ende Jahr bei Thurvita auf. Sie geht etwas früher in die Pensionierung, nachdem sie zuerst im Spital und danach 22 Jahre lang im Dienste der Spitex und der Ausbildung stand. Das ihr im neuen Lebensabschnitt nicht langweilig wird, zeigt sich schon nach wenigen Minuten Gespräch mit Thurvita.Today.

Hast Du Dein Büro schon geräumt?
Ja, das ist alles erledigt. Heute wird das Büro geputzt, damit mein Nachfolger Ernst Grau ein sauberes Büro vorfindet.

Wie viele Kisten Material nimmst Du mit?
Fast nichts, sicher keine Kisten. Das meiste, vor allem alte Ordner, habe ich entsorgt.

Ja, aber damit geht ganz viel Wissen verloren.
Quatsch. Da ist nichts verloren. Die wichtigen Sachen sind digital vorhanden und abgelegt und können jederzeit verwendet werden. Ausserdem habe ich einen Jahresplan erstellt, in dem steht, wann was gemacht werden muss, damit die Aus- und Weiterbildung weitergeht wie bisher. Mit diesem Plan habe ich im letzten Januar begonnen und der ist fast komplett.

Du machst mir einen erleichterten Eindruck.
Ja, ich freue mich auf das was kommt. Aber natürlich muss ich zuerst in diesem neuen Zustand des «Nicht-mehr-arbeiten» ankommen. Spasshalber sage ich: «Jetzt bin ich auch eine Alte». Und das stimmt, in dem Sinne, dass ich jetzt pensioniert werde. Aber alt fühle ich mich deswegen noch lange nicht. Ich bin gesund. Ausserdem hüte ich zweimal in der Woche meine Enkel und das füllt mich aus. Die Enkelin ist 13 Jahre alt, ein Enkel 8 Monate und eine Enkelin fast 2 Jahre.

Damit hast Du das volle Programm vom Kleinkind bis zur Pubertät.
Ja, von der Windel bis zum Teenager. Das ist lässig.

Was macht Doris die Pensionierte: Basteln, Malen, Reisen?
Das weiss ich noch nicht. Zuerst muss ich aufarbeiten, was liegen geblieben ist. Was ich aber auf jeden Fall will, ist ein strukturierter Tag. Einfach «ume blötterle» kann ich nicht. Ich will auf jeden Fall in Bewegung bleiben. Solange ich gearbeitet habe, fuhr ich jeden Tag Velo. Das werde ich nicht mehr so oft tun. Dafür habe ich mir vorgenommen, dreimal pro Woche einen grossen Spaziergang zu machen.

Das füllt aber den Tag nicht aus.
Ich habe sehr viele Anfragen bekommen von Vereinen, Clubs oder von der Kirche und alle schlagen mir vor, dass ich mich engagiere. Was davon ich tue, werde ich mir gut überlegen. Sicher werde ich Menschen in ihrem Alltag begleiten. Aber würde ich zu allem Ja sagen, hätte ich jeden Tag ein volles Programm. Doch eine gestresste Rentnerin will nicht werden.

Lass uns einen Blick zurückschauen. Wie verlief Deine berufliche Karriere im Umfeld der Thurvita?
Bei der Spitex begann ich vor 22 Jahren als diplomierte Pflegefachfrau. 2004 wechselte ich in die Bildung, zuerst als Berufsbildnerin und dann ab 2010 als Ausbildungsverantwortliche der Spitex. 2013 kam es zum Thurvita Zusammenschluss. Zusammen mit Silvia Ammann war ich für die Bildung zuständig.

Hat sich in den letzten zehn Jahren im Bereich Bildung etwas verändert?
Massiv. Vor 15 Jahren kamen die ersten FaGe in die Ausbildung. Ich war skeptisch, weil diese Jugendlichen erst 15/16 Jahre alt waren. Es ist eine enorme Belastung für eine 15-Jährige, und Schonfristen haben sie keine. Ich bin froh, dass ich selber erst mit 18 Jahren in den Beruf eingestiegen bin.

Hat sich bezüglich der Ausbildung etwas verändert? Gibt es neue Anforderungen bezüglich Psychologie, medizinisches Wissen oder muss man mehr rechnen können?
In der Grundausbildung gab es keine Änderung. Sie ist grundsätzlich einfacher und anders gelagert als die HF-Ausbildung. Dem gegenüber ist die HF-Ausbildung deutlich anspruchsvoller geworden.

Früher galt: Einmal Krankenschwester, immer Krankenschwester. Ist das heute auch noch möglich oder muss man sich permanent weiterbilden?
Das ist immer noch möglich. Es gibt keinen Zwang zur permanenten Weiterbildung. Was allerdings immer wichtiger wird, sind die Themen «Dokumentation» und «Abklärung». Heute ist eine diplomierte Pflegefachfrau weniger am Bett oder nur bei komplexen Situationen. Die einfachen Situationen gibt sie ab. Dafür wird mehr Zeit eingesetzt für Bedarfsabklärungen und Dokumentationen. Das ist klar anders geworden. Die Krankenkassen sind heute viel restriktiver.

Warum gibt es heute einen Mangel an Fachkräften im Bereich Gesundheit?
Weil die Anforderungen gestiegen sind. Weil viel weniger am Bett gearbeitet wird und dafür die Administration zunimmt. Dann ist es ein Beruf mit einer sehr hohen Belastung.

Aber Fachkräfte Mängel gibt es auch in anderen Berufen. Warum ausgerechnet bei der Gesundheit?
Man hält die Menschen heute viel länger am Leben. Das führt dazu, dass es immer mehr kranke Menschen gibt, aber nicht automatisch mehr Pflegende. Heute ist alles machbar. Dabei müsste man sich fragen: Ist es nicht nur machbar sondern auch sinnvoll? Müsste man nicht stattdessen sagen: Ok, es ist in Ordnung, wenn jemand stirbt.

Wenn Du heute jungen Frauen begegnest, kann Du ihnen mit Begeisterung sagen: Lernt diesen Beruf, es ist ein schöner Beruf?
Total, ich bin ein absoluter Fan. Ich habe diesen Beruf so geliebt, ich habe das so gerne gemacht. Und auch in meiner Zeit in der Bildung habe ich mich gefragt: Wie wäre es, wenn ich wieder zurück ans Bett könnte? Ja, ich hätte das gerne wieder gemacht. Ich finde dies den schönsten Beruf den es gibt. Ich war wirklich gerne Pflegefachfrau.

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