«Happy Weeks»: Nägel machen

Zuerst ein ausgiebiges Händebad

Edle Blümchen, die wochenlang halten.

Den Nagellack bekam Frau H. am Ende geschenkt.

Gertrud Beerli arbeitet seit 27 Jahren im Rosengarten. Sie berichtet im Gespräch mit Thurvita Today von ihrer Happy Weeks Aktion, die an alte Zeiten erinnert.

Was war Deine Happy Weeks Aktion?
Meine Happy Weeks Aktion war: Ich habe Frau H. die Fingernägel gemacht. Eigentlich war es ihr Wunsch ins «Cafe Kuhn» zu gehen. Aber ich wusste, dass sie da in der letzten Zeit schon ein paar Mal gewesen war. Die Fingernägel waren eine Alternative, denn das habe ich früher schon für Bewohnende gemacht und ich wusste, dass sie das sehr geschätzt hat.

Ich bin ein Mann, weiss also kaum Bescheid: Was heisst «die Fingernägel machen»?
Das heisst, das volle Programm: Finger baden, Nägel schleifen, grundieren, bemalen, dekorieren. Das Prozedere dauerte eineinhalb Stunden. Offenbar war das verwendete Material so gut, dass sie das heute noch hat. Stell Dir vor: Nach fünf Wochen!

Wie lange hält denn das üblicherweise?
Mit Glimmer und Blümchen bemalte Nägel halten normalerweise eine Woche.

Erzähl bitte, wie die Aktion abgelaufen ist.
Ich kam morgens um halb Neun. Frau H. war noch beim Frühstück. Sie wusste nichts davon. Auf dem Weg hierher in den Rosengarten nahm ich von einem Pflückfeld eine Sonnenblume mit und in einem Korb hatte ich eine Art Champagner mit zwei Gläsern.

Was ist das, eine «Art Champagner»?
Das Getränk heisst «Tröpfel», sprudelt wie Champagner und ist aus Äpfeln gemacht. Natürlich ist das Alkoholfrei.

Und dann?
Den Champagner haben wir am Schluss getrunken, als wir fertig waren. Also: Ich bin dann mit ihr in einen Raum gegangen, den wir im Rosengarten sonst nicht benutzen. Dort waren wir für uns, ungestört. Dort gab ich ihr auch die Sonnenblume und dann kümmerte ich mich um ihre Fingernägel.

Dauert so eine Arbeit immer eineinhalb Stunden?
Es hat natürlich nicht alles von Anfang an geklappt. Plötzlich bewegte sie sich wieder und dann war alles verschmiert. Und natürlich haben wir auch viel miteinander geredet.

Wie kamst Du auf diese Idee?
Meine Chefin, Andrea, hat mich darauf gebracht. Ich wusste zuerst keine Alternative zum Cafe-Besuch. Die Idee mit den Nägeln fand ich dann super. Selber kam ich nicht mal drauf, als ich ihr Happy-Week-Plakat gemacht habe. Aber es hat voll eingeschlagen und es war ja auch ein bisschen wie früher.

Hast Du das schon mal gemacht?
Ja. Eben früher war das gang und gäbe. Als wir im Rosengarten noch alleine waren, hatten wir für solche Dienstleistungen Zeit. Nägel machen war schon damals meine Spezialität.  Heute müssen die Bewohnenden dafür zahlen und das machen nicht mehr so viele.

Wie hat Deine Klientin darauf reagiert, als Du mit der Blümchen Idee kamst?
Sie war begeistert, fand, dass sei eine Supersache.

Wie gut kanntest Du Frau H.?
Ich bin nicht ihre Bezugsperson. Aber natürlich kennt man sich, denn im Rosengarten sind wir ja relativ wenige Leute und ich bin schon 27 Jahre lang hier. Als Sie mir für die Aktion zugeteilt wurde, habe ich mich vertieft mit ihrer Biografie befasst und ein bisschen wusste ich auch über sie, weil ich in ihrem Namen ab und zu Dankesbriefe schreibe.

Was sind das für Briefe?
Ein alter Schulkamerad – also keine Schulliebe – schenkt ihr immer wieder Bons mit denen sie an Carfahrten teilnehmen kann. Und dafür schreibe ich in ihren Namen an den Spender.

Deine Aktion ist fünf Wochen alt. Gab es jemals Reaktionen?
Tagtäglich. Wirklich. Kein Witz. Jeden Tag zeigt sie mir die beiden Fingernägel, welche die ganze Zeit gehalten haben. Die anderen habe ich ihr vor ein paar Tagen etwas nachgebessert.

Wie war diese Erfahrung für Dich?
Das war auch für mich eine Wahnsinnserfahrung. Wir sollten wieder mehr solche Sachen machen.

(Interview: Mario Aldrovandi)

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