«Happy Weeks»: Doppelte Überraschung

Beisa Tubic vom Sonnenhof berichtet im Gespräch mit Thurvita Today von der Happy Weeks Aktion, die sie zusammen mit ihrer Kollegin Seraina Knecht gemacht hatte.

Wie war der Start Deiner Happy Weeks Aktion?
Ich bekam Herrn H. zugeteilt. Am Anfang dachte ich: Kein Problem, ich kenne ihn ja schon lange. So wusste ich, dass er gerne Züge hat und dachte mir, also fahre ich mit ihm mal mit der Eisenbahn. Dann merkte ich, dass das gar nicht so einfach ist. Seine Ehefrau lebt ja auch bei uns, gerade im Zimmer neben seinem. Im Gegensatz zu ihm, ist sie nicht so mobil. Aber ich konnte ja nicht nur mit ihm alleine etwas tun, ich musste ja beide einbeziehen.

Wie hast Du das gelöst?
Meine Kollegin Seraina Knecht, hatte die Ehefrau für die Happy Weeks Aktion und sie war auch etwas ratlos. Zusammen haben wir dann eine Lösung gefunden. In einem ersten Schritt haben wir uns quasi an die beiden Personen herangeschlichen, so Spionagemässig. Wir teilten uns so auf, dass immer eine von beiden mit dem Ehepaar zu tun hatte und so haben wir mit der Zeit viel erfahren. Denn ich musste mir eingestehen: Ausser dass mir bekannt war, dass Herr H. gerne Zug fährt, wusste ich kaum etwas.

Welche Aktion habt ihr schliesslich gemacht?
Seraina und ich gestalteten für das Ehepaar H. einen schönen Nachmittag. Wir hatten erfahren, dass die Beiden früher viel Campen gingen und leidenschaftlich gerne Glacé assen. Also haben wir zwei «Coupe Maison» in der Sonnenhof Küche bestellt. Ausserdem wussten wir, dass sie an einem Sonnentag gerne im Schatten sitzen. Doch weil beide gehbehindert sind, konnten wir nicht rausgehen, also haben wir das Stationszimmer im ersten Stock hergerichtet. Dort hat es einen Baum, der Schatten auf den Balkon wirft. So haben wir ihnen dort einen Tisch dekoriert, je einen Glacé-Coup hingestellt und sie beschenkt. Ausserdem haben wir ländliche Musik abgespielt, denn auch diese Vorliebe haben wir über die Gespräche erfahren.

Wie haben Sie darauf reagiert?
Sie waren total überrascht. Aber wir hatten vorher ein Problem: Wie sollten wir das den Beiden sagen, dass wir etwas vorbereitet hatten? Schliesslich wählten wir den direkten Weg und gingen in ihr Zimmer: «Wir haben eine Überraschung», sagten wir und dass wir sie gerne in zehn Minuten abholen würden. Natürlich waren sie sehr neugierig.

Und dann?
Als wir die beiden ein paar Schritte begleiteten, fragten Sie ehrfurchtsvoll: «Was im Schwesterzimmer?» und als Herr H. den schattigen Balkonplatz sah, sagte er: «Wie haben sie das gewusst? Grad vorhin hat meine Frau gesagt, es sei so warm heute, sie würde am liebsten unter einem Baum liegen.» Wir beschenkten sie dann und liessen sie alleine. Sie blieben dreiviertel Stunden und genossen es.

Was gab es für Geschenke?
Für Sie gab es einen Korb voller Wolle, denn sie strickt Tag und Nacht und macht ganz schöne Pullover. Ihm schenkten wir ein Buch über «Die schönsten Züge von gestern bis heute».

Gab es später Reaktionen?
Sie waren fassungslos. Jedes Mal, wenn wir sie trafen, sprachen sie uns darauf an und bedankten sich. Zuerst machten sie sich Sorgen, dass wir zu viel Geld ausgegeben hatten. «Die Wolle kostet ja über hundert Franken», sagte Herr H. denn er hatte sich sofort im Coop City darüber informiert und auch das Buch sei teuer. Ich konnte ihn beruhigen und sagen, dass es eine Aktion gewesen sei. Herr H. meldete sich dann sogar beim Hausverantwortlichen Andreas Bucher und wollte sichergehen, dass wir das nicht aus unserem Sack bezahlen mussten. Aber Andi sagte ihnen, dass es dafür ein Kässeli gebe.

Welche Erinnerung hast Du daran?
Das war sehr schön. Am Anfang dachte ich: Uh nein, jetzt kommt wieder eine Arbeit mehr auf uns zu. So dachten auch andere. Und es war tatsächlich eine Zusatzarbeit, überall lagen Blätter herum und wir wurden von Leuten aus der Reinigung über einzelne Klienten ausgefragt, weil sie ebenfalls eine Happy Weeks Aktion machten. Aber seither habe ich so viele positive Reaktionen von den Klienten bekommen, dass ich meine, es hat sich gelohnt. Und bei den Plakaten gibt es unglaublich schöne Kunstwerke. Ich würde es sehr schade finden, wenn wir das nun alles versorgen und vergessen. Wir sollten eine solche Aktion jedes Jahr einmal machen.

 

 

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