Es ist schwierig, Firmen zu finden

Die Thurvita stellt Praktikums- und Arbeitsstellen für Sozialhilfeempfänger zur Verfügung.

Die städtische Dienststelle Arbeitsintegration vermittelt Sozialhilfebezügerinnen und -bezügern Praktikums- und Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft. Doch die Anzahl Stellen in Wil und Umgebung stagniert.

Hier der gesamte Artikel aus der Wiler-Zeitung:

Wiler Zeitung: 15. April 2016, 02:40 Uhr

Es ist schwierig, Firmen zu finden

Joachim Zappe Geschäftsführer Stihl Wil Zoom

Joachim Zappe Geschäftsführer Stihl Wil (Bild: pd)

Die städtische Dienststelle Arbeitsintegration vermittelt Sozialhilfebezügerinnen und -bezügern Praktikums- und Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft. Doch die Anzahl Stellen in Wil und Umgebung stagniert.

PHILIPP HAAG

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WIL. Ein strukturierter Alltag und eine Beschäftigung sind auch für eine Person, die Sozialhilfe bezieht, eminent wichtig. Die Stadt Wil betreibt aus diesem Grund ein internes Beschäftigungsprogramm. Sozialhilfebezügerinnen und Sozialhilfebezüger unternehmen Reinigungstouren durch die Stadt, verrichten Botengänge für die Stadtverwaltung und übernehmen die Plakatierung für kulturelle Veranstaltungen. Das Beschäftigungsprogramm gehört zur Strategie der vor drei Jahren gegründeten Fachstelle Arbeitsintegration (siehe Kasten). Diese arbeitet auch mit externen Beschäftigungsprogrammen zusammen wie dem Brockishop des Blauen Kreuzes, dem Caritas Markt oder dem Erfolgsimpuls Wil.

Kooperation mit Wirtschaft

Das grundsätzliche Ziel der Arbeitsintegration liegt aber darin, «dass die Sozialhilfeklientinnen und -klienten wenn möglich wieder im ersten Arbeitsmarkt Fuss fassen können», sagt Dario Sulzer, Vorsteher des Departements Soziales, Jugend und Alter. Ein Weg führt über Schnupper-, Praktikums- und Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft. Um diese Stellen vermitteln zu können, ist die Arbeitsintegration-Fachstelle auf die Kooperation mit Unternehmen aus der Region angewiesen wie den Sicherheitsverbund Region Wil, die Thurvita AG, Stihl, Camion Transport und Micarna. Diese Unternehmen stellten im vergangenen Jahr Praktikums- und Arbeitsstellen für Sozialhilfeempfänger zur Verfügung.

Doch die Anzahl Plätze stagniert, seit Mitte des Jahres 2013 das Programm gestartet worden war. Es stossen nur wenige neue Firmen hinzu. Sulzer bestätigt, dass es trotz grossen Engagements der Dienststelle und deren Begleitgruppe schwierig ist, neue Betriebe zu finden. «Die Unternehmen sind zurückhaltend», sagt er, obwohl ihnen bei einem Praktikum weder Lohn- noch Sozialkosten entstehen. Die Gründe sind vielfältig. Einerseits leidet die Industrie unter dem starken Franken. Anderseits nehmen Arbeitsplätze für geringqualifizierte Personen durch Automatisierung und Auslagerung ins Ausland laufend ab. Sulzer erachtet es angesichts der schwierigen Wirtschaftslage keineswegs als selbstverständlich, dass Firmen derartige Praktikums- und Arbeitsstellen zur Verfügung stellen. Trotzdem bedauert er, dass die Anzahl Plätze sich nicht entwickelt, «denn für die soziale Integration einer Person ist eine Erwerbstätigkeit von zentraler Bedeutung».

Eine der Firmen, die mit der Dienststelle Arbeitsintegration zusammenarbeitet und Praktikumsplätze für Sozialhilfebezügerinnen und Sozialhilfebezüger anbietet, ist Stihl. Das Unternehmen stellt Motorsägen her und in den Werken in Wil und Bronschhofen werden die weltweit zum Einsatz kommenden Stihl-Sägeketten gefertigt. Dass Stihl Praktikumsplätze anbietet, gehört zur Philosophie des Unternehmens, wie Joachim Zappe, Geschäftsführer von Stihl in Wil, sagt. «Es ist Teil des sozialen Engagements.» Die Arbeitsstellen für die Praktikanten sind in der Montage, Produktion und Logistik angesiedelt. Dabei handelt es sich um einfache Tätigkeiten, wie Zappe sagt. In welchem Bereich eine Person eingesetzt wird, hängt von ihren Fähigkeiten und Veranlagungen ab. Vor der Anstellung wird von den Kandidatinnen und Kandidaten ein Profil erstellt. Wichtigstes Kriterium: Sie müssen der deutschen Sprache mächtig sein.

Gute Erfahrungen bei Stihl

Bis anhin hat Stihl gute Erfahrungen gemacht. «Die Personen arbeiten motiviert mit», sagt Zappe. Dies ist dem Unternehmen wichtig, sind die Praktikumsplätze doch mit einem Betreuungsaufwand verbunden. Der Stihl-Wil-Geschäftsführer engagiert sich auch in der Begleitgruppe, welche der Arbeitsintegrationsstelle beratend zur Seite steht und ein Netzwerk mit den Arbeitgebern schafft. Zappe war als Präsident der Arbeitgebervereinigung Wil von Amtes wegen in die Begleitgruppe aufgenommen worden, blieb aber Mitglied, als er den Vorsitz abgab, «weil es mir ein persönliches Anliegen ist». Einbringen kann er seine Erfahrungen aus der Arbeitswelt. Dass die Anzahl Plätze stagniert, bedauert auch Zappe. Auch er hat die Erfahrung gemacht, «dass es anspruchsvoll ist, neue Betriebe zu finden».

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