Die besonderen Momente des Thurvita Chefs

Im letzten halben Jahr hat Alard du Bois – Reymond eine stillstehende Uhr zum Laufen gebracht und schwierige Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen. Der Vorsitzende der Thurvita-Geschäftsleitung macht im gleichen Tempo weiter und so gibt es News zum Quartierzentrum Bronschhofen und dem Haus für Demenz. All das erfuhr thurvita.today in einem emotional und inhaltlich spannenden Interview.

Welche Höhepunkte sind Ihnen aus dem ersten halben Jahr in Erinnerung?
Zwei besondere Ereignisse habe ich in Erinnerung. Ein Persönliches wegen der Bedeutung einer Wanduhr und ein Geschäftliches im Zusammenhang mit dem Quartierzentrum Bronschhofen.

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Beginnen Sie bitte mit dem Persönlichen
Ich gehe regelmässig mit Bewohnern der Alters- und Pflegeheime essen. So erfahre ich, wie es ihnen geht. Auch Anfang dieses Jahres ging ich im Bergholz essen und besuchte ein Paar, welches ich schon seit langem kenne. Doch dieses Mal war der Mann nicht dabei. Die Frau war alleine. Im Gespräch mit der Frau wurde klar, dass es ihrem Mann nicht mehr gut geht und dass er sich auf den Tod zubewegt. Nach dem Essen fragte ich sie, ob ich ihren Mann auch besuchen dürfe. Ich war nicht sicher, ob sie das wollte oder als ungehöriges Eindringen empfindet. Doch sie freute sich und so konnte ich den Mann nochmals sehen.

Ihm ging es wirklich nicht mehr gut. Aber es war schön zu sehen, wie er sich freute, dass «der oberste Chef» zu Besuch kommt. Wir redeten nicht viel, aber er hielt die ganze Zeit meine Hand.

Das ganz Besondere an diesem Besuch war, was wir wegen der Wanduhr des Ehepaares erlebten. Sie kennen sicher diese Pendeluhren, die Louis XVI Pendulen, diese mit Gold verzierten Kunstwerke. So etwas leistete man sich noch zu den Zeiten meiner Grossmutter als «Lebensanschaffung», so wertvoll und teuer waren sie.

Genau eine solche Pendule hing an der Wand, aber sie lief nicht mehr. Niemand hatte sie aufgezogen, die Uhr stand still, stumm. Es interessierte mich, was es mit der Uhr auf sich hat.
Unter der Uhr gab es eine Anleitung, was zu beachten war, beim Aufziehen dieser Wand-Uhr. Man musste auf den Stuhl steigen, das Türchen vorsichtig öffnen und die Uhr sanft aufziehen. Die Frau konnte seit längerem nicht mehr auf den Stuhl steigen, die Pflege hatte heute keine Zeit gehabt. Also bat mich die Frau, das zu tun. Aber sie schaute ganz genau darauf, dass ich ja vorsichtig mit ihrer Uhr umging.

Ich realisierte, wie der Mann unruhig wurde, als er bemerkte, dass ich mich an der Uhr zu schaffen machte. Aber er konnte nicht darüber reden. Der Grund für die Unruhe wurde mir klar, als die Uhr wieder in Bewegung kam. Von dem Moment als es «Tick-Tack» machte, war der alte Mann happy und entspannt. Es schien mir, dass es ihm besser ging, weil jetzt alles wieder in Ordnung war, so war, wie es sein sollte.

Mich hat das berührt: Da geht man auf den Tod zu und es sind diese kleinen Sachen, solche Dinge, die wichtig sind. Wen die durcheinander sind, ist alles durcheinander und wenn es wieder läuft, kann man sich entspannen. Es hat mich beeindruckt, mit wie wenig man in einer solchen Situation helfen kann.

Was war auf der Ebene Unternehmen das Beeindruckenste?
Das Beste war: Wir haben es geschafft für den Alters- und Quartierstützpunkt Bronschhofen alle Partner unter einen Hut zu bringen. Die Stadt, die Kirchengemeinde, die Migros und wir. Das war nicht einfach. Es brauchte viele Verhandlungen und bis zum letzten Moment wollte immer irgendjemand noch etwas ändern. Bevor ich in die Ferien gegangen bin, war der Vertrag noch nicht von allen unterzeichnet. Jetzt aber liegen alle Unterschriften vor. Der erste Schritt ist getan.

Alard du Bois - Reymond im Gespräch mit Helena Hofstetter und Christian Hofstetter

Alard du Bois – Reymond im Gespräch mit Helena Hofstetter und Christian Hofstetter

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Wie geht es weiter?
Jetzt folgt der Architekturwettbewerb. Wir laden in den nächsten Wochen Architekten ein, dass sie einen Vorschlag machen, wie ein Quartierzentrum aussehen könnte. Weil es hier um ein grosses Projekt geht, muss das Projekt nach den Regeln der Welthandelsorganisation, der WTO, international ausgeschrieben werden. Es kann sein, dass sich viele Architektur-Büros melden.

Also ein Je-ka-mi, ein «Jeder kann mitmachen»?
Nein, sicher nicht. Wir wollen nur mit solchen Architekten zusammen arbeiten, die Erfahrungen im Altersbau haben. Alle Vorschläge und Qualifikationen wird eine Jury prüfen, welche wir bereits zusammengestellt haben. Am Schluss werden etwa vier oder fünf Firmen einen konkreteren Vorschlag ausarbeiten dürfen. Heute in einem Jahr wissen wir also schon etwas mehr.

Das zweite grosse Entwicklungsthema ist «das Haus für Demenz». Wie ist da der Stand?
Auch da geht es voran. Wir haben möglicherweise ein geeignetes Grundstück gefunden. Das Land befindet sich neben unserem bestehenden Alters- und Pflegeheim Rosengarten in Rossrüti. Das Grundstück gehört der Stadt Wil und sie ist bereit, dass Land für das Projekt zu geben, wenn es sich eignet.

Ob sich das Land eignet, wollen wir mit einer Machbarkeitsstudie herausfinden. Folgende Fragen muss die Studie beantworten: Ist das Grundstück gross genug, entspricht es der Bau- und Zonenordnung, funktioniert das mit den Zu- und Wegfahrten und gibt es Heimatschutz-Aspekte zu berücksichtigen? Im November wird die Machbarkeitsstudie fertig sein. Wenn sie die Fragen positiv beantworten kann, gibt es ebenfalls einen Architekturwettbewerb.

Das erste halbe Jahr ist vorbei. Worauf freuen sie sich, wenn sie an das zweite Halbjahr denken?
Kurzfristig freue ich mich auf die Mitarbeiterausflüge. Das ist für mich ein besonderer Moment. Ich bin gerne mit unseren Mitarbeitenden zusammen, wenn man mal nicht am Arbeiten ist, Sitzungen hat und Traktanden behandelt.

Und Sie haben das Privileg, dass sie zweimal an den Mitarbeiterausflug können …
Ja. Ich hoffe auch, dass das Menu gut ist. Bei den letzten Festen war das nicht immer so und ich musste vier Mal dasselbe essen. Zweimal ist optimal und das wird sicher eine schöne Sache.

(Interview: Mario Aldrovandi)

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