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Vom Turner zum Kantonsrat bis hin zum Spitex Fördervereinspräsident

Martin Giger in den Wiler Nachrichten:

Martin Giger 20160818

Bild: Noemi Nesci
Spitex Fördervereinspräsident Martin Giger mit der Organisationsmappe für die Grillpartys in den verschiedenen Pflegeheimen

 

Vom Turner zum Kantonsrat bis hin zum Spitex Fördervereinspräsident

18.08.2016 06:58

Martin Giger erzählt über seine Turnerkarriere, seinen Weg in die Politik bis zum Kantonsrat sowie über sein Amt im Spitex Förderverein.

Wilen An einem regnerischen Donnerstag findet in der Wohnung der Gigers in Wilen der Kontakt zwischen Jung und Alt statt. Am runden Holztisch, der durch eine grün marmorierte Tischdecke verdeckt wird, erzählt der 77-jährige Martin Giger seine abwechslungsreiche Lebensgeschichte.

Turnender Bauernjunge in Politik

Martin Giger stammt aus einer Bauernfamilie, die bis 1957 in Tuttwil lebte. Später zog er mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder nach Wilen. In jenen Jahren machte er auch seinen KV-Abschluss. Im Alter von 17 Jahren bis in seine Vierziger widmete er sich seinem Hobby, dem Turnen: «Das war meine grosse Leidenschaft.» In dieser Zeit lernte er seine Frau kennen, die er 1963 heiratete. Das Paar zog für 18 Jahre nach Wil, ehe es nach Wilen zurückkehrte. Sie haben zwei Kinder. Enkel haben sie keine.

1980 rutschte Martin Giger durch das Turnen in die Politik. «Man hat mir organisatorisches Geschick nachgesagt», so der ehemalige Kreisverbandspräsident und Thurgauer Turnverbandsvizepräsident. Auf die Anfrage der CVP, Parteimitglied zu werden, sagte er zu. Darauf wurde er zum Vorsteher der Ortsgemeinde Wilen und zugleich Vizegemeindeammann der Munizipalgemeinde Rickenbach gewählt. 1984 folgte das Amt als Kantonsrat. Sein Hobby rückte dadurch zunehmend in den Hintergrund. «Als Kantonsrat widmete ich mich zu 100 Prozent der Politik», sagt er und ergänzt: «Obwohl mir das Organisieren liegt, habe ich nie sieben Sachen gleichzeitig gemacht.» Mit 45 Jahren wurde er in den Grossen Rat des Kanton Thurgau gewählt. Sommer 1996 bis Sommer 1997 wählte ihn das Parlament zum Grossratspräsidenten. Mit 63 Jahren liess er sich pensionieren, machte aber seine vierjährige Amtsdauer im Grossrat zu Ende. Was er während seiner politischen Aktivität vermisst hat: «Die Kollegialität, die ich vom Turnen her zu schätzen gelernt habe.» In der Politik sei man ein Einzelkämpfer.

Kostbare Familienzeit

Viele geniessen nach der Pensionierung ihre neue Freiheit – gehen einem Hobby nach, reisen oder probieren neue Sachen aus. «Ich muss ehrlich sein, ich bin kein Reisevogel», antwortet Giger auf die Frage, ob er sich schon einmal überlegt habe, ein typisches Seniorenleben zu führen. Obwohl der Wilener kein Reisevogel ist, ging er 18 Jahre lang mit seiner Frau ins Südtirol wandern. «Die Mentalität der Südtiroler gefällt mir», meint er. Jetzt sei ein derartiger Ausflug aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich. «Das Packen bereitet mir Mühe und ich mache es auch nicht gerne», erklärt er schmunzelnd. Die Familienzusammenkunft jeden Sonntag sei Tradition. «Es gibt zuerst einen Apéro und dann kocht meine Frau den Kindern und mir was Leckeres», so der Familienvater.

Fürsorge für den Nächsten

Giger nimmt sich jedoch nicht nur für seine Familie Zeit. Nein, auch für pflegebedürftige Personen. Am 1. Januar 1998 fing sein dritter Lebensabschnitt an. Der ehemalige Turner und Politiker wurde in den Vorstand des Spitex Fördervereins gewählt (siehe Kasten). Von Amtswegen war er bis dato bereits zehn Jahre im Verwaltungsrat des regionalen Pflegezentrums Münchwilen tätig. «Von diesen Erfahrungen konnte ich in Wil viel einbringen.» Als 2001 ein Nachfolger für die ehemalige Vereinspräsidentin gesucht wurde, hat er sich zur Verfügung gestellt. «Es werden die gewählt, die laut reden», sagt er lachend. Giger engagiert sich mit einem 25 Prozent Pensum freiwillig, ohne Lohn zu erhalten, für den Verein. Als Präsident ist er für die Organisation zuständig: «Das ist mir eben noch nie schwer gefallen. Ich hatte schon immer das Bedürfnis, irgendwo mitzuhelfen.» Das Neuste, das er auf die Beine gestellt hat, sind Grillpartys in verschiedenen Pflegeheimen. Zudem hilft er aus, wo er kann: «Wenn jemand ausfällt, springe ich für denjenigen ein.» Das sei für die Freiwilligen und Betreuten eine Erleichterung. Für den Präsidenten selbst ist es eine Bereicherung. Mit wenig Einsatz könne man den Betreuten eine Freude bereiten. «Die Dankbarkeit und das Strahlen in den Augen der Menschen ist das grösste Geschenk.» Das Gefühl sei unbeschreiblich. Obwohl er bald sein Präsidium abgibt, behält er die Betreuung in den Pflegewohnungen bei. In Zukunft wünscht Giger sich genügend Freiwillige für den Verein: «Sonst können wir das alles beerdigen und vergessen.»

Von Noemi Nesci

Spitex Förderverein

Für Betreuungsaufgaben unterstützt der Spitex Förderverein mit 160 Freiwilligen ältere Personen im stationären Bereich: Alterszentrum Sonnenhof, Pflegezentrum Fürstenau sowie die Pflegewohnungen Bergholz, Engi, Flurhof, Rosengarten und im ambulanten Bereich zu Hause. Der Verein arbeitet mit der Thurvita zusammen und wird von 1500 Mitgliedern finanziell unterstützt.

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