Happy Weeks: Ab in den Wald

Irene Anderegg was war Deine Happy Weeks Aktion?
Ich holte Frau B. um 11 Uhr mit dem Auto im Sonnenhof ab und wir machten einen kleinen Autoausflug: Via Gärtensberg übers Egg nach Brunau, hinein in den Wald, in dem mein Vater «büschelet».

Jetzt weiss nicht jeder, was «büschele» ist.
Unsere Familie hat in der Gegend ein Waldstück und mein Vater räumt da auf. «Büschele» ist ein Teil davon. Konkret: Wenn eine Tanne gefällt wird, dann schneidet er die Äste ab, entfernt das feine Geäst und kürzt die einzelnen Knebel auf eine Länge von etwa 40 Zentimeter. Diese Knebel werden ein Jahr lang getrocknet und dann zu festen Bündeln zusammen geschnürt. Wenn diese Bündel richtig satt sind, dann sagen wir: «Jetzt sind sie Pab».

Und was macht man mit solchen paape Büscheli?
Die werden zum Anfeuern gebraucht, für unterschiedliche Arten von Öfen. Darum gibt es auch unterschiedlich grosse Büscheli.

Du hast also mit Frau B. Deinen Vater besucht. Und dann?
Ich hatte meinen Vater vorinformiert. Er stellte für Frau B. einen Tisch hin, dazu einen Klappstuhl mit Lehne und Kissen. Einen bodennahen Grill hat er sowieso dort und als wir kamen gab es bereits eine schöne Glut. Ich hatte einen Salat vorbereitet und nahm dazu ein paar Würste mit. So brätelten wir in der offenen Waldwerkstatt von meinem Vater Würste und assen dazu ein frisches Bürli. Zu Trinken gab es Panaché. Am Schluss sagte Frau B. zu meinem Paps: «Ich komme wieder mal zu Dir in den Urwald». Sie sagte wirklich «Urwald».

Welche Rolle spielte das Büschele?
Sie war sehr neugierig. Mein Vater sagte mir, dass sie noch nie jemand so für diese Arbeit interessiert und so viele Fragen gestellt hatte, schon gar nicht eine Frau. Frau B. wollte wirklich alles wissen, zum Beispiel, warum es links und rechts vom Büscheli rundum eine Kerbe braucht. Mein Vater erklärte ihr, dass damit das Abrutschen der Schnur verhindert werde.

Wie kamst Du auf die Idee mit dem Wald?
Frau B. vermisste es, nicht mehr so wandern zu können, wie früher. Das sei immer schön gewesen, auch das brätle im Wald. Als sie Wald sagte, dachte ich an meinen Vater. Also organisierte ich diesen Besuch. Dort machten wir dann sogar eine kleine Wanderung. Auf dem weichen Waldboden gingen wir immerhin einen Kilometer weit.

Wie kam es dazu, dass Du so viel über Frau B. erfahren hast?
Ich rede ab und zu mit ihr. Als sie mir für die Happy Weeks Aktion zugeteilt wurde, tat ich es noch etwas mehr. Als ich antönte, dass ich etwas Schönes vorbereite, fragte sie, ob ich jetzt ihre «Gotte» sei. Sie hatte bereits von unseren Aktionen gehört. Und dann sagte sie: «Frau Anderegg, wenn Sie meine Gotte sind, dann bin ich die Sophie». Aber das musste ich ablehnen. Das ist bei uns nicht erlaubt, ausser man kennt jemanden von früher. Sie machte dann dafür mit meinem Vater Duzis.

Wie hat Frau B. auf die Aktion reagiert?
Sie ist 96 Jahre alt und top beieinander. Aber sie machte sich etwas Sorgen: «Das wird mir von anderen Bewohnern sicher missgönnt», sagte sie. Andere hätten zwar ein Glace bekommen oder ein schönes Geschenk, aber der Ausflug sei doch etwas ganz Besonderes, das würden nicht alle erleben.

Du hast einen halben Tag Deiner Freizeit dafür gegeben. Bereust Du das?
Nein, gar nicht. Es war wirklich schön. Und sie ist so dankbar. Wenn Du das zurück bekommst, dann ist es gar keine Frage. Als wir nach dem Mittag zurück nach Wil kamen, meinte sie: «Oh, jetzt ist dieser schöne Tag schon wieder vorbei». Ich versprach ihr, dass man das wieder mal machen könne und auch mein Vater sagt seither öfters: «Nimm doch Sophie wieder mal mit».

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